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PRESSEMITTEILUNG:

06. Juli 2016

„Wir brauchen das Pflegeberufsgesetz als Beitrag für eine menschenwürdige Pflege!“

SPD-Bundestagsfraktion vor Ort zur Generalistische Pflegeausbildung

Über 110 Interessierte aus Praxis und Theorie folgten der Einladung der Aachener Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt und nahmen an einer Diskussionsveranstaltung zur „Generalistischen Pflegeausbildung“ teil. Besonders erfreulich war die große Zahl der Schülerinnen und Schüler unter den Anwesenden, die sich aktuell in der Ausbildung befinden.

 

Grundlage der Diskussion war der Entwurf für das Pflegeberufsgesetz, das in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Dieses sieht eine Neureglung der Pflegeausbildung und somit eine Neureglung des Pflegeberufes vor. Die „Generalistische Pflegeausbildung“ setzt nicht mehr auf die reine Vermittlung von Wissen, sondern von Kompetenzen. Das Berufsfeld soll damit flexibler und durchlässiger werden.

 

Der intensiven und konstruktiven Diskussion ging ein Impulsvortrag von Herrn Dr. Matthias von Schwanenflügel voraus, der als zuständiger Abteilungsleiter im Bundes-ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend federführend an der Erarbeitung des Gesetzesvorhabens beteiligt war.

 

Seine Kernaussage war deutlich: „Die Pflege muss endlich als Profession anerkannt werden. Das gilt für alle Bereiche der Pflege: Krankenpflege, Altenpflege und auch Kinderkranken-pflege.“ Deshalb brauche man auch eine gemeinsame Grundlage. „Die Qualität der Pflegeausbildung soll mit dem Gesetz nicht nur gesichert, sondern verbessert werden. Wir brauchen mehr Praxisanleiter, mehr Lehrer, um pflegerische Kompetenzen weiter zu entwickeln und wir werden dies auch mit dem Gesetz finanzieren“, so von Schwanenflügel weiter.

 

Gerade die Diskussionen mit Pflegekräften habe ihm gezeigt, wie wichtig die Durchlässigkeit in den Pflegeberufen ist.

 

Die Runde wurde komplettiert durch zwei Vertretern aus der Praxis: Jochen Vennekate, Geschäftsführer der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe (CBAG) und Dominik Dautzenberg als Ausbildungsbeauftragter und Teil der Pflegedirektion des Alexianer Krankenhaus Aachen berichteten von aktuellen Herausforderungen in der Praxis und legten dar, wie sich das Gesetzesvor-haben auf die Realität auswirken wird.

 

Die beiden Eingangsstatements erklärten, wieso die Pflege dieses Gesetz braucht: „Im Alexianer Krankenhaus wird, wie in vielen anderen Einrichtungen auch, seit Jahren generalistisch gearbeitet“ so Dautzenberg. „Das Gesetz hebt Unterschiede zwischen zwei im Alexianer Krankenhaus gleich arbeitenden Berufsgruppen auf und schafft zum Beispiel im Bereich der Praxisanleitung alltagserleichternde Strukturen für die Kollegen vor Ort.“

 

Daran knüpfte Vennekate an: „Die Generalistik ist nicht neu. Wir diskutieren schon seit mehreren Jahren und Jahrzehnten über das Thema. Pflege ist im Ursprung immer schon generalistisch und die Grundausbildung soll es wieder werden.“ Die verschiedenen Pflegeberufe würden bereits heute häufig unter einem Dach ausgebildet. In den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Pflege mache die Unterscheidung der Berufe nach Altersstufen keinen Sinn mehr. 

 

Die folgende Diskussion wurde vom sozialpolitischen Sprecher der SPD-Ratsfraktion, Boris Linden, moderiert. Schon zu Beginn wurden Fragen und Anregungen aus dem Publikum eingebunden. Angesichts der weitreichenden Folgen und Änderungen, die das Gesetzesvorhaben für den Pflegeberuf bedeutet, gab es zahlreiche Wortmeldungen: Wird der Pflegeberuf durch das Gesetz wirklich attraktiver? Führt es zu einer verbesserten Bezahlung, mehr Qualität in der Pflege und mehr Bewerbern? Wie soll der Mehrbedarf an Praxisanleitern und Lehrkräften bewältigt, wenn schon heute ein Personalmangel vorhanden ist?

 

„Klar ist, dass das Gesetz nicht alle Probleme lösen kann. Das soll es auch nicht. Klar ist aber auch, dass die aktuellen Herausforderungen angepackt werden müssen“, erklärte Ulla Schmidt. „Das Pflegeberufsgesetz ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der pflegerischen Versorgung. Die Zusammen-legung der Berufe bewirkt, dass nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Arbeitsbedingungen der Krankenpflege, der Altenpflege und Kinderkrankenpflege vereinheitlicht und verbessert werden. Für eine schlechtere Stellung eines dieser Bereiche gibt es keine Berechtigung!“

 

Ob Krankenpflege, Altenpflege oder Kinderkrankenpflege - die Arbeit mit und für kranke Menschen setze dieselben menschlichen Voraussetzungen und Kompetenzen voraus. Dementsprechend müssten auch die Ausbildung und die Wertschätzung dieselbe sein. Durch eine Zusammenführung der Pflegeberufe werde auch der Druck bei Tarifverhandlungen größer, eine gerechte Bezahlung sicher zu stellen. Diese Effekte benötigten jedoch ihre Zeit.

 

Des Weiteren führte Ulla Schmidt aus, dass an einer Generalistischen Pflegeassistenzausbildung kein Weg vorbeiführt. „Allen Menschen, die an einem Pflegeberuf interessiert sind und sich dafür begeistern, muss der Zugang zur Ausbildung offenstehen.“

 

Wie dieser Zugang auf Landesebene geregelt wird, beschrieb der landespolitische Einwurf der SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen.

 

Das Fazit des Abends: viele Fragen sind noch offen. Viele Gespräche müssen noch geführt werden und viele Entwicklungen lassen sich erst mit der Zeit abschätzen. Die Pflege braucht jedoch eine deutliche Verbesserung der aktuellen Situation. Niedrige Bezahlung, hohe Arbeitsbelastung und Wirtschaftlichkeit auf Kosten von Patienten und Pflegekräften kann nicht die Zukunft der Pflege in Deutschland sein.