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Aachen. Besuche in Aachen sind für den Europaparlamentarier Martin Schulz normalerweise Routine. Am Samstag war das anders: Erstmals kam er als gewählter Präsident des Europäischen Parlaments nach Aachen. Oberbürgermeister Marcel Philipp empfing Schulz im Weißen Saal des Rathauses. Dort trug sich der Europapolitiker in das Goldene Buch der Stadt ein. Beim Frühstück mit seiner Frau habe Schulz sich noch zurück- erinnert, wie er „als kleiner Junge an der Hand meiner Mutter“ zu den Karlspreisverleihungen kam. „Damals liefen Adenauer, Churchill und De Gaulle hier vorbei. Jetzt werde ich selber hier empfangen. Das ist ein außergewöhnliches Privileg“, sagte Schulz. Mit so einem Moment wolle er sehr bewusst umgehen. Der Würselener stammt selber aus „einfachen Verhältnissen“ und er begegne seinem neuen Amt mit Demut. Bei seinem Empfang musste Schulz eine Menge Hände schütteln. Gekommen waren politische Weggefährten wie Ulla Schmidt und Jürgen Linden oder Kollegen wie Sabine Verheyen oder Kurt Malangré und auch die Bürgermeister der umliegenden Kommunen, Städteregionsrat Helmut Etschenberg sowie Vertreter aus anderen gesellschaftlichen Bereichen. Sie alle unterhielt Schulz mit einer witzigen und unterhaltsamen Rede, die er wie eigentlich immer ohne Redemanuskript hielt. Dabei sagte er in einfachen Sätzen, worauf es ihm in Europa ankommt. Es gehe darum, Lösungen für die Alltagsprobleme der „kleinen Leute“ zu finden. Zudem müsse man das Gesellschafts- und Wertesystem Europas verteidigen. Solche Aufgaben könne man nicht nur lokal, regional und national lösen. OB Philipp erklärte, dass mit Schulz „einer von uns“ eines der höchsten europäischen Ämter bekleidet. Bisher sei Schulz als Stimme des Europäischen Parlaments schon „deutlich vernehmbar“ gewesen. Doch nun sei er „die Stimme“ des Gremiums, sagte Philipp. Schulz sei ein „überzeugter, kämpferischer Europäer, dem die Europäische Union eine Herzensangelegenheit ist“. „Mehr Macht, aber unfreier“ Seinen Kampfgeist, den Schulz als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament voll ausleben konnte, will er sich auch als Präsident nicht nehmen lassen. „Mit dem Amt habe ich mehr Befugnisse, es gibt aber auch diplomatische Grenzen. Ich habe mehr Macht, bin aber auch unfreier“, erklärte Schulz. Ein leiser Präsident will er aber keineswegs sein: „Ich werde nicht verstummen, da kann jeder sicher sein.“ So will Schulz dafür sorgen, dass die Bürger mehr von der Politik in Brüssel und Straßburg mitbekommen. „Die Regierungschefs und die Kommission tagen hinter verschlossenen Türen. Ich kann die Türen nicht aufreißen.“ Aber er wolle Dinge thematisieren. Wenn es nach Schulz geht, müssten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, den Führungsanspruch, den sie für sich reklamieren, vor dem Europäischen Parlament begründen. Quelle: Aachener Nachrichten, 23. Januar 2012, Daniel Gerhards